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THC und CBD: Was die beiden Cannabinoide unterscheidet
Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) stammen aus derselben Pflanze, greifen im Körper aber an unterschiedlichen Stellen an. Daraus ergeben sich andere Wirkungen, andere Risiken und eine ganz unterschiedliche Rechtslage.
© KIWas sind THC und CBD?
THC und CBD sind die beiden bekanntesten Cannabinoide der Hanfpflanze. Beide sind fettlösliche Moleküle, die mit körpereigenen Signalwegen in Kontakt treten. Ihr Verhältnis schwankt je nach Pflanze stark, deshalb unterscheiden sich Cannabisprodukte in ihrer Wirkung so deutlich voneinander.
In der Medizin begegnet THC meist als Dronabinol. Das ist halbsynthetisch hergestelltes THC, chemisch identisch mit dem Pflanzenstoff.1 CBD gibt es als zugelassenes Fertigarzneimittel für bestimmte Epilepsien und als Rezeptursubstanz in der Apotheke. Daneben wird es als Öl, Kosmetik oder Aromaprodukt verkauft, obwohl es als Lebensmittel nicht zugelassen ist.
Wie wirkt THC im Körper?
THC bindet an den Cannabinoidrezeptor CB1 und aktiviert ihn teilweise. Fachleute sprechen von einem Teilagonisten. Die körpereigenen Botenstoffe Anandamid und 2-Arachidonoylglycerol aktivieren denselben Rezeptor dagegen voll, werden aber schnell wieder abgebaut. THC bleibt länger wirksam.1
CB1 sitzt vor allem im zentralen Nervensystem, auf Nervenzellen in Regionen für Bewegung, Schmerzempfinden und Lernen. Der zweite Rezeptor, CB2, findet sich überwiegend auf Zellen des Immunsystems. Beide wurden Anfang der 1990er Jahre entschlüsselt, CB1 im Jahr 1990, CB2 im Jahr 1993.2 THC bindet an beide.1 Wie das System insgesamt aufgebaut ist, erklären wir im Beitrag zum Endocannabinoidsystem.
Aus der Wirkung an CB1 ergeben sich die bekannten Effekte: THC wirkt psychotrop, schmerzlindernd, gegen Übelkeit und Erbrechen und appetitanregend. Eingesetzt wird es deshalb unter anderem bei Übelkeit durch Chemotherapie, Appetitverlust mit starkem Gewichtsverlust, Schmerzen und Spastik.1
Wie wirkt CBD?
CBD hat eine deutlich geringere Bindungsneigung zu CB1 und CB2 als THC. Nach heutigem Verständnis verändert es den Rezeptor CB1 von einer anderen Stelle aus und dämpft so seine Aktivierung, Pharmakologen nennen das einen negativen allosterischen Modulator. Berauschend wirkt CBD deshalb nicht.1
In Studien und Übersichten werden CBD angstlösende, entzündungshemmende, neuroprotektive und krampflösende Eigenschaften zugeschrieben. Gut belegt ist beim Menschen vor allem die Wirkung gegen Krampfanfälle bei seltenen schweren Epilepsien. Ob sie über die Cannabinoidrezeptoren zustande kommt oder über andere Angriffspunkte, ist nicht geklärt.1
| THC | CBD | |
|---|---|---|
| Wirkung an CB1 | Teilagonist, aktiviert den Rezeptor | schwache Bindung, dämpft die Aktivierung |
| Berauschend | ja | nein |
| Häufige Nebenwirkungen | Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit | Schläfrigkeit, Durchfall, weniger Appetit |
| Wechselwirkungen über Leberenzyme | praktisch vernachlässigbar | zahlreich |
| Rechtsgrundlage als Arznei | Medizinalcannabisgesetz | Arzneimittelverschreibungsverordnung |
Welche Nebenwirkungen haben THC und CBD?
Unter einer Therapie mit THC tritt bei mehr als jedem zehnten Patienten Müdigkeit auf. Seltener sind Schwindel, Übelkeit, Mundtrockenheit und Konzentrationsstörungen. Viele dieser Beschwerden gehen vorüber und lassen sich durch eine niedrige Anfangsdosis mit langsamer Steigerung oft vermeiden. THC kann den Blutdruck senken, das Herz reagiert dann mit schnellerem Schlag. Viele Ärztinnen und Ärzte sehen schwere Herzkreislauferkrankungen deshalb als relative Gegenanzeige.3
Selten kommt es zu Wahnvorstellungen oder Halluzinationen. Eine akute Psychose gilt als absolute Gegenanzeige, ein erhöhtes Risiko haben Menschen mit Schizophrenie oder Psychosen in der Familie. Wer THC regelmäßig nimmt, kann eine Toleranz entwickeln, nach dem Absetzen sind Entzugssymptome möglich. Unter Freizeitkonsumenten entwickeln laut einer Übersicht in PTAheute etwa 22 Prozent eine Cannabiskonsumstörung, bei Patientinnen und Patienten kommt das seltener vor.3 Mehr dazu in den Beiträgen zu Psychose und Abhängigkeit.
Für CBD liefern die Zulassungsstudien des Epilepsiemedikaments die besten Daten. Mehr als jede zehnte behandelte Person bekam dort Schläfrigkeit, verminderten Appetit, Durchfall, Fieber, Müdigkeit oder Erbrechen. Der häufigste Grund für einen Therapieabbruch war ein Anstieg der Leberwerte, weshalb die Leber regelmäßig kontrolliert wird.4
Warum CBD mit anderen Medikamenten wechselwirkt
Hier liegt einer der größten praktischen Unterschiede. Das Potenzial von THC, über Leberenzyme den Abbau anderer Arzneistoffe zu verändern, gilt als praktisch vernachlässigbar. CBD hemmt dagegen mehrere Leberenzyme aus der Gruppe Cytochrom P450, darunter CYP3A4. Eine Literaturrecherche fand 53 in der EU zugelassene Wirkstoffe, mit denen CBD wechselwirken kann.3 Die Verbraucherzentrale nennt als Beispiele Psychopharmaka, Blutverdünner und Antibiotika.5
Wer regelmäßig Medikamente nimmt und CBD verwenden möchte, sollte das mit Ärztin, Arzt oder Apotheke besprechen. Einzelheiten stehen im Beitrag zu Wechselwirkungen.
Schützt CBD vor den Wirkungen von THC?
Nach der bislang sorgfältigsten Untersuchung zu dieser Frage nicht, jedenfalls nicht in den Mengen, die in Cannabis üblich sind. Forschende des King's College London gaben 46 gesunden Freiwilligen in einer doppelblinden Studie jeweils 10 Milligramm THC zum Inhalieren, kombiniert mit 0, 10, 20 oder 30 Milligramm CBD. Weder bei Gedächtnis und Aufmerksamkeit noch bei psychotischen Symptomen oder dem Rauscherleben machte der Anteil an CBD einen messbaren Unterschied. Der einzige Effekt: Mit mehr CBD husteten die Teilnehmenden mehr. Die Ergebnisse erschienen im November 2022 in der Fachzeitschrift Neuropsychopharmacology.6
Die Studie widerlegt nicht jede Wechselwirkung zwischen beiden Stoffen. Sie zeigt aber, dass ein höherer Gehalt an CBD Cannabis nicht automatisch sicherer macht. Ob Begleitstoffe die Wirkung von THC verändern, behandelt der Beitrag zu Terpenen und weiteren Cannabinoiden.
Was gilt rechtlich für THC und CBD?
Medizinisches THC, auch Dronabinol, fällt seit 1. April 2024 unter das Medizinalcannabisgesetz. Es wird auf normalem Rezept verordnet, das Betäubungsmittelrezept ist entfallen.7 Wie das im Einzelnen abläuft, steht im Beitrag zu Cannabis auf Rezept.
CBD ist kein Betäubungsmittel. Seit 1. Oktober 2016 steht es aber ausdrücklich in der Anlage der Arzneimittelverschreibungsverordnung und ist damit als Arzneimittel verschreibungspflichtig.8 Ein zugelassenes Fertigarzneimittel mit Cannabidiol erhielt am 19. September 2019 die Zulassung in der EU, zur Zusatzbehandlung von Anfällen bei den seltenen Epilepsiesyndromen nach Lennox und Gastaut sowie nach Dravet, ab zwei Jahren.4 Die gesetzlichen Kassen zahlen es nur in diesem zugelassenen Anwendungsgebiet. Rezepturen mit CBD fallen nicht unter die Sonderregel für Cannabis in § 31 Absatz 6 SGB V, die Kostenübernahme muss mit der Kasse geklärt werden.9
Ist Öl mit CBD als Lebensmittel erlaubt?
Nein. In der EU gelten Extrakte mit Cannabinoiden als neuartige Lebensmittel (Novel Food) und brauchen vor dem Verkauf eine Zulassung. Eine solche Zulassung gibt es für CBD bisher nicht. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat ihre Prüfung im Juni 2022 ausgesetzt, weil Daten fehlten.5
Im Februar 2026 hat die EFSA eine vorläufige Obergrenze veröffentlicht: 0,0275 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht am Tag, für einen Erwachsenen mit 70 Kilogramm also etwa 2 Milligramm. Sie gilt nur für sehr reines CBD unter bestimmten Herstellungsbedingungen. Für Menschen unter 25 Jahren, Schwangere, Stillende und Personen, die Medikamente einnehmen, sieht die EFSA die Sicherheit als nicht belegt an.10
Gerichte haben die Linie der Behörden mehrfach bestätigt. Das Verwaltungsgericht Köln stufte im März 2022 als Nahrungsergänzung verkaufte Tropfen mit CBD als zulassungspflichtiges Arzneimittel ein. Werden solche Öle als Kosmetik oder Aroma deklariert, werten Gerichte das als Versuch, die Regeln zu umgehen.5
Auch Öle mit CBD können THC enthalten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung fand 2024 in 20 von 26 untersuchten Ölen THC, teils mehr als 1.500 Milligramm je Kilogramm. Solche Spuren können zu einem positiven Drogentest führen.5
Häufige Fragen
Macht CBD high?
Nein. CBD bindet nur schwach an die Cannabinoidrezeptoren und wirkt nicht berauschend. Produkte mit CBD können aber THC enthalten, das dann sehr wohl wirkt.
Ist Dronabinol dasselbe wie THC?
Ja. Dronabinol ist halbsynthetisch hergestelltes THC und chemisch mit dem Stoff aus der Pflanze identisch. Es wird als Arzneimittel auf Rezept abgegeben.
Darf ich Öl mit CBD als Nahrungsergänzung kaufen?
Als Lebensmittel ist CBD in der EU nicht zugelassen, Behörden und Gerichte halten solche Produkte für nicht verkehrsfähig. Die EFSA hält vorläufig höchstens etwa 2 Milligramm am Tag für gesunde Erwachsene für unbedenklich.
Verändert CBD die Wirkung anderer Medikamente?
Das ist möglich. CBD hemmt Leberenzyme, über die viele Arzneistoffe abgebaut werden, bekannt sind Wechselwirkungen mit 53 Wirkstoffen. Vor der Einnahme sollte man mit Arztpraxis oder Apotheke sprechen.
Mildert CBD die Nebenwirkungen von THC?
In einer kontrollierten Studie mit 46 Freiwilligen schützten zusätzliche 10 bis 30 Milligramm CBD nicht vor den akuten Wirkungen von 10 Milligramm THC. Eine allgemeine Schutzwirkung ist damit nicht belegt.
Quellen
- Dem Entourage-Effekt auf der Spur, Seite 2 (23. Oktober 2025), Pharmazeutische Zeitung
- CB1-Rezeptor, DocCheck Flexikon
- THC-Nebenwirkungen bei Cannabis-Therapie (20. Dezember 2024), PTAheute
- Europäischer öffentlicher Beurteilungsbericht (EPAR) zu einem Fertigarzneimittel mit Cannabidiol, Übersicht, Europäische Arzneimittel-Agentur
- CBD-Öl legal auf dem Markt? (Stand 30. März 2026), Verbraucherzentrale Bundesverband
- Cannabis not made safer by increasing its CBD content (16. November 2022), King's College London
- Seit 1. April 2024 kein BtM-Rezept mehr für Cannabisverordnungen zu medizinischen Zwecken (2. April 2024), Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg
- Die Verwendung von Cannabis zu therapeutischen und anderen Zwecken, WD 9 - 3000 - 041/19 (26. Juni 2019), Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages
- Was gilt in der Versorgung mit Cannabis? (19. August 2026), Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg
- Update of the statement on safety of cannabidiol as a novel food (9. Februar 2026), EFSA-Gremium für Ernährung, neuartige Lebensmittel und Lebensmittelallergene (EFSA Journal)
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